In the Fishtank 5: Tortoise & The Ex (1999)

Ruppig wirds beim fünften In The Fishtank. Ruppig und selbst für diese Reihe ungewohnt experimentell. Außerdem gibt es eine weitere Revolution. Der fünfte Ausflug in die Fishtanksession ist der erste, in dem das mittlerweile berühmte Konzept einer ungewohnten Kollaboration zum Tragen kommt. Die Postrocker von Tortoise krallten sich 1999 die Progressive Punkband The Ex und zogen sich für zwei Tage ins Studio zurück. Herausgekommen ist ein wüster, experimenteller Bastard aus glasklarer Komposition, schrillen Impromanierismen, Jazz, Rock, Noise und Postrockklängen.

Gewisse Erwartungen schwingen ja schon mit bei dem Gedanken an eine Postrock/Punk-Collabro. Irgendwas, irgendwo im Silver Mt. Zion Umfeld: Episch  rotzig, majestätisch anarchisch, pompös schrammelig…. die Reihe an erwarteten Oxymoron lässt sich beliebig fortführen, und doch klingt die Zusammenarbeit von Tortoise und The Ex ganz anders. Das fünfte In the Fishtank ist keine durchkomponierte postapokalyptische Punklandschaft und auch kein derber Rock mit epischer Schlagseite. Stattdessen spielen die beiden Bands frei auf, improvisieren sich einen absonderlichen Bastard aus Math, Psychedelic und vor allem Experimental zusammen und vergessen dabei doch nicht, wo sie eigentlich herkommen.

Das Ganze erinnert dann ein bisschen an eine postmoderne Version von The Velvet Underground, wenn zum Beispiel im puristischen Pooh Song (Ja, so heißt das Lied wirklich), schrammelige Gitarren auf beiläufig, mitunter wütende Spoken words treffen. Ein bisschen Krautrock ist auch drin, wie im LSD-schwangeren Opener, der sich nie so ganz zwischen Harmonie und Irssinn entscheiden kann. Und zwischendurch darf es auch einfach nur noisig, krächzig, unmelodisch scheppern und rummeln. Eins steht jedenfalls fest: Die fünfte Fishtank-Session hält weitaus mehr bereit, als von einer simplen Postrock/Punk-Combo erwartet werden darf. Mal schleppend, mal treibend, nie auf den Punkt, eher immer drumherum schleichend und dabei dennoch bei genial abseitigen, intonalen Gewittern ankommend. Pleasure as usual? Keineswegs. Hier wird frei auf mit dem Ungewöhnlichen kokettiert, gespielt und gearbeitet. Erstaunlich ist, wie relaxt die ganze Geschichte trotz experimentellem und progressiven Einschlags klingt. Im vierten Stück der 22minütigen EP stellen die beiden Bands die Frage gleich selbst: Did you comb? Eine Antwort darauf bleiben sie dem Hörer freilich schuldig. Stattdessen verlieren sie sich in fragmentarischen Percussions, in uneinigen Fäden und arhythmischem Treiben. Ein gewagtes, faszinierendes Soundexperimentierfeld, immer an der Schwelle zum amusikalischen Krach, immer an der Schwelle zum affektierten Avantgarderock, immer an der Schwelle zur Destruktion der eigenen musikalischen Landschaft… und zu jeder Zeit höchst faszinierend und mitreißend. Experiment geglückt, Rock tot!

–> Zur In the Fishtank Übersicht

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>