Xiu Xiu im Cafe Steinbruch, Konzertbericht vom 02.06.2010

Draußen im Biergarten des Steinbruchs sitzen fröhlich schwatzende Menschen, die meisten davon deutlich über 30, bei einem Glas Bier und genießen noch die letzten Strahlen dieses zaghaft warmen Frühlingstages. Eine Person mit seitlich abrasierten Haaren, 90er Baseballjacke und eher mürrischen Blick sticht aus der Masse heraus und sitzt vollkommen in sich versunken und einsam an einem Tisch. Der Gesichtsausdruck ist nahezu manisch und das letzte was man wagen möchte ist Jamie Stewart zu stören, um damit wohl einen Tobsuchtsanfall des launischen Sängers zu provozieren, der wohl äußerst unzufrieden mit seinem Auftritt in Berlin gewesen sein muss, wo er kurzfristig das Set abbrach.

Also einfach so tun als ob man ihn nicht bemerkt und lange auf ein Bier warten, worauf man dann eh erst einmal länger warten muss und dann nicht mal die bestellte Menge bekommt. Während man sich also noch ein wenig über die Gastronomie-Qualität des mitunter improvisiert wirkenden Familienbetriebes austauscht, beginnt drinnen die Vorband Woom, die eine Mischung aus Experimental-Electro und Indie-Rock spielen. Bereits hier muss ich erstaunt feststellen, dass das erfreulicherweise zahlreich vorhandene Publikum nicht aus den üblichen Stoffeln besteht sondern sehr offen und begeisterungsfähig reagiert. Negativ fällt nur ein älteres Paar auf, das irgendwie wie ein verkokstes Düsseldorfer Vernisage Paar wirkt und möglichst mit assigen Auftreten und zeitlich unpassenden Zwischenrufen um Aufmerksamkeit hechelt, aber das sonst positive Bild, das man von dem heutigen Publikum haben muss ,nicht krass verändern kann. Einzig mehr junge Leute unterhalb der 30 wünscht man sich oder tanzen die alle zeitgleich in irgendeiner Großraumdisco zu Atzenmusik?

Um 22 Uhr kommen dann auch endlich Xiu Xiu auf die Bühne nach einem eher putzigen Ritual mit seiner Bandmember Angela Seo ,bei dem man sich gar liebkost und alles sehr harmonisch wirkt. Ein ganz anderes Bild ein paar Minuten später: Stewart schließt die Augen und wirkt wie besessen wenn er in seinen Songs zwischen zerbrechlicher Verzweiflung und purer Aggression wechselt. Die Songs von Xiu Xiu könnten fast Hit-Potential haben wenn sie nicht immer wieder durch Störgeräusche unterbrochen wären… denn hier geht es immer noch um Kunst an sich und keine nAusverkauf als Hintergrund-Beschallung zum Staubsaugen. Diese bewusst eingesetzten Störgeräusche kommen von Angelo Seo, die in den hoch emotionalen Momenten mitleidet und perfekt auf Jamie eingespielt wirkt. Vielleicht wäre sogar ein bisschen weniger Perfektion noch das Sahnehäubchen auf dem trotzdem sehr gelungenen und jenseits mieser Launen stattfindenden Konzert gewesen. So bedankt sich Jamie am Schluss noch artig und verschwindet schnell und scheu von der Bühne, was ja dann wieder zu dem anfangs beschriebenen Szenario passt.

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