Pfingstkultur>

Das fünfzig Tage nach Ostern gefeierte Pfingsten ist im Gegensatz zu Ostern und Weihnachten in seiner kulturellen Verwertung immer noch sehr stark mit den traditionellen christlichen Brauchtümen verknüpft und wurde nur sehr gering von der Folklore geschweige denn vom Pop beeinflusst. Es zelebriert die Ankunft des heiligen Geistes nach dem Tod Christi und gilt damit als Ursprungs- und Gründungsfest der christlichen Religion.

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

(Apg. 2, 1-4)


Wegen der engen Verbindung des Feiertages mit seinem christlichen Ursprung, sind kulturelle Verarbeitungen des Festtages zum Großteil christliche Ikonen und Kirchenbilder sowie musikalische Kompositionen für Messen und Liturgien. Die berühmtesten musikalischen Verarbeitungen dürften die Bach-Kantate Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten! (1714) und Gottfried Heinrich Stölzels Werdet voll Geistes (1737) sein. Im 20. Jahrhundert wurde das Pfingstthema unter anderem von Olivier Messiaen mit der Messe de la Pentecote (1949) und von Violeta Dinescu mit dem Pfingstoratorium (1993) verarbeitet.

Neben der christlichen Bedeutung Pfingstens als Ende der Babylonischen Sprachverwirrung, der Ankunft des heiligen Geistes und der Verfestigung des Glaubens haben sich an und um Pfingsten herum auch verschiedene profane Brauchtümer entwickelt, wie zum Beispiel die Unruhnacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag (ähnlich der Hexennacht) oder das Pfingstbaumpflanzen, bei dem Männer Birken am Haus ihrer Geliebten pflanzen, um damit ihre Zuneigung auszudrücken. Diese volkstümlichen Bräuche finden allerdings wenig bis gar keine Reflektion in der kulturellen Verarbeitung des Pfingstthemas. Eine Ausnahme bildet das Gedicht Kleinstadtpfingsten des Neoromantikers Klabund (1913):

Pfingsten von Emil Nolde (1909)

Pfingsten von Emil Nolde (1909)

Pentecost von Estella Canziani (1936)

Pfingsten von Thomas Zacharias (1994)

Pfingstbestellung (Joachim Ringelnatz, 1932)

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.
-
Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.
-
Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt —
Pfingstochse meinetwegen —
Dem Honorar entgegen.
-

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