Sleep is Death – Innovatives Story Telling Adventure für den PC

Immerhin 50 Jahre Computerspielgeschichte hat es gedauert, aber nun ist es so weit… Mit Sleep is Death erscheint ein Game für den PC, das der klassischen Erzählkunst näher kommt als jede Daddelei zuvor. Hinter der simplen Pixelgrafik verbirgt sich ein einfaches und dennoch geniales Konzept: Zwei Spieler werden für eine Runde benötigt. Spieler 1 schlüpft in die Rolle des Protagonisten, Spieler 2 – und an dieser Stelle beginnt das Konzept aufzugehen – übernimmt die Rolle des Erzählers, des Spielleiters bzw. des Meisters, wie traditionsbewusste Pen & Paper Rollenspieler sagen würden.

Die Geschichte, die sich in dem daraus entstehenden Dialog abspielt, ist vollkommen von der Kreativität von Spieler und Spielleiter abhängig. Sleep is Death wird zu einer Art Baukasten, in dem sich versierte Erzähler voll und ganz austoben können. Der Spielleiter entwirft Szenarien, Orte, Objekte, NPCs und nicht zuletzt die Figur, die der Spieler durch das entworfene Szenario steuern muss. Der Spieler selbst kann mit allen Objekten und Personen der Umgebung interagieren, die Welt erforschen oder unsinnige Dinge anstellen. Diese Handlungen wiederum fordern die Kreativität und Improvisationskunst des Spielleiters heraus, wodurch nach und nach für beide eine interaktive Welt entsteht. Wem dies zu kompliziert klingt, der schaue einfach in die kurze Slideshow des Entwicklers hinein. Diese bringt das Spielprinzip perfekt auf den Punkt.

Der Clou bei der ganzen Geschichte: Sowohl Spieler als auch Spielleiter haben jeweils nur 30 Sekunden für ihre Aktionen, dann beginnt die Runde des Gegenüber. Der Spielleiter bedient sich in seinen Spielrunden aus einem riesigen, unerschöpflichen und frei erweiterbaren Arsenal an Geländen, Gegenständen und Personen. Der Spieler kann in seinen 30 Sekunden sowohl Handlungen ausführen als auch mittels Sprechblasen mit der Umgebung kommunizieren. Dadurch entsteht ein Spielerlebnis irgendwo zwischen rundenbasiertem Rollenspiel, Textadventure, Point & Click und gemeinsamem Story Telling, das einem interaktiven Comicbuch recht nahe kommt.

Es ist kaum zu glauben, wieviel aus diesen einfachen Ingridenzien hervorzuzaubern ist. So begeistern die aufgezeichneten Spiele durch faszinerende Erzählkunst, raffiniert konstruierte Szenarien, Ironie, Metaebenen und vieles mehr.  Ichiro’s Birthday zum Beispiel beginnt als Geschichte eines einfachen Kindergeburtstags und endet als bedrückender historischer Exkurs. The Tree erzählt die Geschichte einer Männerfreundschaft im Laufe der Zeit. You are lost ist ein spannender und düsterer Science Fiction Thriller, während Pacman is an asshole eine zynische Satire auf den Urvater aller Videospielhelden darstellt. Natürlich ist der Spielspaß bei einem solchen Game primär von der Kreativität seiner Spieler abhängig und so pendeln sowohl Qualität als auch Quantität der Abenteuer gewaltig: Von hoher Kunst bis blöder Alberei ist alles drin. Und gerade wegen dieser Variablität und der Arbeit mit dem Unvorhersehbaren dürfte Sleep is death bereits jetzt zu den interessanten Computerspielveröffentlichungen des Jahres gehören… und das alles zu dem Schnäppchenpreis von 14 Dollar pro Lizenz für zwei Spieler.

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