Himmel und Hölle – Jonsi und Burzum veröffentlichen neue Alben

Schmerz und Freude, Schönheit und Ekel. Wohl kaum könnten die am meisten erwarteten und gefürchteten Alben dieses Monats weiter auseinander liegen. Gemeinsam haben sie nur ihre nordische Herkunft, der sie sich aus vollkommen verschiedenen Richtungen nähern. Jonsi  zelebriert auf Go eine Hymne an die Schönheit und das Leben an sich und inszeniert sich im Video als  Papageno der Gegenwart. Neben soviel Licht muss es natürlich auch Schatten geben, und mit Burzum begeben wir uns an den trüben Abgrund zur Hölle. Was macht man bloß mit diesem dunklen melancholischen Brocken namens “Belus”, dessen Schöpfer ein Mörder und misanthropischer Einzelgänger ist; der zwar als Mozart des Black Metal gilt, sich aber trotzdem äußerst fragwürdigen Ideologien verschrieben hat ? Ignorieren wäre eine Möglichkeit, genau so gut könnte man jeden Morgen mit einem Edding die Nachrichten über Tod und Vergewaltigung aus der Tageszeitung rausstreichen, auf Spiegel Online einfach weiterscrollen bei diesen Themen, oder umschalten wenn die Tagesschau mal wieder über ein bestialisches Massaker irgendwo auf diesem Planeten berichtet. Ignorieren wird man es eh kaum, zumal sogar “Die Welt” und sogar das Indie-E-Zine  Stereogum bereits über das neue Album berichteten. Auch die Kollegen von Powermetal haben sich lange überlegt ob sie eine Rezension zu dem Album veröffentlichen und sich dann dazu entschlossen den Lesern das Urteil über die Privatperson Vag V. selbst zu überlassen. Sein neues Werk erfüllt jedenfalls viele der in es gesteckten Erwartungen. Stellt sich nur die Frage ob eine ellenlange Erklärung im Vorfeld nicht das Ganze wesentlich interessanter macht als es tatsächlich ist…

Jonsi – Go

VÖ: 02.04.2010

Allein der Titel des Albums klingt schon nach Aufbruch und Weitermachen. Spätestens seit dem dritten Sigur Ros Album Takk ist der einstigen Wehmut und fragile Trauer einem hymnischen Gesang gewichen, der mehr nach Sommer als nach kalter Nordlandschaft klingt. Jonsi klingt selbstbewusster und auch privat scheint alles im grünen Bereich zu liegen, dem Projekt mit seinem Lebensgefährten (Jonsi und Alex) nach zu urteilen Das klingt nicht mehr nach dem Kampf um ein bisschen Glück wie auf dem Untitled Album sondern nach dem Erreichen des selbigen. So viel Glückseligkeit mag dem Fan der ersten Stunde nicht sonderlich gefallen… Aber Jonsi gelingt das Kunststück zwar wie Sigur Ros zu klingen, diese jedoch  nicht 1:1 zu kopieren. Flöten, Trommeln und Streicher spielen hier bei der Ode an das Leben eine große Rolle und nehmen einen sofort mit. Anspruchsvoller Pop, der nie verkopft ist, hat auch 2010 genau so zu klingen.

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Burzum -Belus

VÖ: 09.03.2010

Allein vom Albumtitel, der den Namen des germanischen Lichtgottes Belus trägt, könnte man hier auch allerlei Freude assoziieren, was einen extremen Misanthropen wie Varg Vikernes wenn überhaupt nur ein spöttisches Grinsen abringen würde. Der Hüne, der sich wohl gerne als eine Art Charles Manson geriert und über dessen abscheulichen Mord an Mayhem Sänger erschreckend wenig berichtet wird, könnte in seinen Ansichten kaum weiter von Sigur Ros entfernt sein, selbst wenn er sich in einem Stereogum als Fan von vergleichweise poppigen Bands wie The Cure und Depeche Mode outet. Eigentlich könnte der Fall auch ganz schnell zu den Akten “Ein weiterer verquerter Trottel aus Skandinavien, der irgendein ein weiteres  unterirdisches Black Metal Album runterrülpst” gelegt werden… Wenn auch dieses Album nicht wieder Qualität und durchaus stimmige Arrangement besitzen würde. Wie immer ist der Sound möglichst roh, was von seinen Jüngern sicherlich als “true” abgefeiert wird und  in der Tat gut funktioniert. Ohne das Cover gesehen zu haben, kann man sich dunkle Wälder fernab der Zivilisation vorstellen, die unwirklich scheinen und eine latente Gefahr bergen. Trotz dem genretypischen Dunkelkram wirkt die Platte interessanterweise nicht so aggressiv wie frühere Burzum Platten und lässt einen in der Tat Melodien erkennen. Vieles erinnert an uralte germanische Gesänge, zu  denen nicht rumsgeschriehen sondern in tiefer Basstimme gesungen wird. Songs wie “Kaimadalthas’ Nedstigning” überzeugen mit intelligenten Breaks und stehen dem Post Punk fast näher als  dem Metal.  Varg Vikernes ist zeitgleich die Galle (sollte er eines besitzen) und auch das Gift von Burzum. Würde nicht sein zurecht umstrittener Ruf einen äußerst fiesen Beigeschmack haben, hätten wir einfach ein sehr gutes Black Metal Album vorliegen . Man muss jedoch auch konstatieren, dass Black Metal in den letzten Jahren einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat und durch Bands wie Sunno)) und Wolves in The Throne Room mittlerweile zu gern gesehen und besporchenen Avantgarde in Musikzeitschriften gehört. Und dies alles ohne einen zweifelhaften Kult um  ein Bandmitglied sondern allein durch die große Qualität ihres Outputs, die ich ehrlich gesagt dann doch höher als Burzum ansehe.