Star Wars Uncut – Die Weltraumsaga erstrahlt in neuem Glanz

Manche Ideen sind einfach zu genial, um wahr zu sein…so wie die von Casey Pugh. Der Blogger und Sci-Fi-Fan zerlegte Star Wars in 15Sekunden-Schnipsel, damit diese von Fans, Hobbyfilmern und Nerds aus der ganzen Welt nachgedreht werden konnten…. und so war Star Wars Uncut geboren. Ziel des Projektes ist es einen vollständiges Remake von Star Wars aus den Mini-Einzelszenen zusammenzubasteln. Jeder darf mitmachen. Und entsprechend vielfältig sind dann auch die Interpretationen des Science Fiction Klassikers: Lego-Stop-Motions, Actionfiguren, wackelige Homevideos, Zeichentrickclips, Flash-Animationen, ambitionierte Nachverfilmungen des Originals… alles was mit (und auch ohne) Kamera möglich ist, ist vertreten. Und das erstaunliche: Die einzelnen, krass divergierenden Szenen fügen sich wunderbar zu einem harmonischen Ganzen.

Das liegt nicht zuletzt daran, wie das traditionelle Hollywoodkino funktioniert. Das 70er Jahre Original ist ein klassischer Blockbuster, der sich in engen Bahnen bewegt, genaue Grenzen und Regeln kennt, die eingehalten werden: George Lucas verzichtet in seiner Weltraumsaga auf Jump Cuts, merkwürdige Perspektivwechsel und Verzerrungen, wodurch allein durch die Kamera eine Orientierung im Raum immer gewahrt bleibt. Die Kamera, die Zuschauerperspektive ist derart glasklar gewählt, dass der Rezipient – unabhängig vom Look der jeweiligen Szene – immer genau weiß, wo er sich befindet und was gerade passiert: Saubere Etablishment-Shots, ein strukturierter Weg von den Totalen zu den Details und wieder zurück, Halbtotalen, die immer die Situation deutlich machen… der Film macht es seinem Zuschauer in der Perspektivwahl so einfach wie möglich, sich einzig auf die Story und die Charaktere einzulassen. Dazu kommen die dramaturgisch sauber abgetrennten Räume, sowohl lokal als auch temporal, die sogar gewisse Aufbrüche der Perspektive (wie in manchen 15Sekündern zu sehen) verschmerzen. Der Rahmen des Star Wars Universums ist narrativ, strukturell und optisch so sauber gelöst, dass der Film wenig braucht, um als ganzes zu funktionieren

Interessant ist dabei auch, wie sehr das Fundament, die  universelle Geschichte losgelöst von ihren filmischen Schauwerten funktioniert. Trotz mancher Albernheiten und viel ambitioniertem Dilettantismus der beteiligten Hobbyfilmer bleibt die Gesamtatmosphäre – auch in 15Sekünder fragmentiert – angenehm intakt. Der Kampf zwischen Gut und Böse, inklusive klarer Rollenverteilung und der Betonung der Macht des Schicksals, braucht keine großen Schauwerte, keine beeindruckenden Special Effects und keine groß angelegten Settings. Insofern ist Star Wars Uncut weitaus mehr als ein simples Fanprojekt: Es ist eine Verbeugung vor der klassischen Hollywood-Ästhetik, wie sie so heute immer seltener stattfindet. Kaum auszumalen, wie das Konzept an einem schnell geschnittenen, dialogarmen, rein auf Bilder setzenden Blockbuster der 00er Jahre scheitern würde. Ebenso fraglich, ob die Disposition der Fragmentierung bei den Raumexperimenten eines Stanley Kubricks oder beim europäischem Autorenkino funktionierte. Immerhin leben viele Arthaus-Projekte von der Aufsprengung des Raumes, von der Unterminierung filmischer Konventionen, genau so wie im aktuellen Action- und Hollywoodkino die Orientierung zu Gunsten der Schauwerte eine immer geringere Rolle einnimmt. Star Wars Uncut ist somit auch eine Liebeserklärung an eine Filmspezies, die sukzessive am Aussterben ist, vielleicht sogar eine Hinüberrettung des cineatsischen Traditionalismus in die Generation Youtube, bei der Schnipsel, Fragmente und Divergenzen zum filmischen Alltag gehören. Ein Projekt, das hoffentlich seine Nachfolger findet und dabei hilft an glorreiche Hollywoodzeiten zu erinnern…

Trailer

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