50′s, Pulp und Psychiatrie – Martin Scorseses "Shutter Island"

Martin Scorsese gehört zu jenen Regisseuren des New Hollywood, die sich ohne großen Qualitätsverlust in die 80er, 90er und schließlich sogar 00er Jahre retten konnten. Zudem gehört er zu jenen Regisseuren, die am ehesten das Erbe Alfred Hitchcocks in unsere Zeit gerettet haben. Er ist Autorenfilmer und zugleich Genrefilmer. Ebenso wie er vom Feuilleton für seine raffinierten inszenatorischen Einfälle gelobt wird, wird er auch vom Publikum für beinharte, kompromisslose Thrillerkost geschätzt und von den Studios für immer wieder erfolgsversprechende Projekte angeworben. Mit der Romanadaption “Shutter Island” setzt er nun seinem Vorbild Hitchcock ein kleines Denkmal des neuen Jahrtausend. Nie war Scorsese offensiver psychologisierend, nie war er verspielter und nie war er trashiger.

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Musikvideo der Woche

Wo wir letztes Mal noch einen absoluten Klassiker der Videoclipkultur präsentierten, haben wir nur einen wortwörtlich brandneuen Clip der britischen Künstlerin M.I.A. (nicht zu verwechseln mit der eher mauen Berliner Electro-Pop-Band Mia) als Video der Woche. Das äußerst kontroverse Video, welches Youtube in seinem Zensurwahn schon gelöscht hat, zeigt in expliziten Einstellungen unter anderem die Exekution eines Minderjährigen durch Kopfschuss und zerfetzten Körper eines Landminenopfers. Regisseur des Videos ist Roman Garvas der auch schon durch sein nicht minder umstrittenes Video zu “Stress” (Justice) auffiehl. Wie immer entzieht er sich einer direkten Aussage und einem Kontext, sondern zeigt auf unironische Weise Dinge die einfach so jeden Tag auf der Welt existieren und damit konträr zur realitätsfernen Hyperwelt des Pop sind.  Aufmerksamkeitsgeile PR einer Künstlerin oder Kunst ? Wie immer entscheidet hier der Betrachter…

M.I.A. – Born Free (2009)

Album: Kala

Regisseur: Roman Gavras

***Interpol – Neuer Song "Lights" als Free Download***

Guten Morgen Tag, liebe Leser !

Statt schwarzem Kaffee bekommt ihr nun eine knapp 13 MB große Dosis Mp3 von unseren Lieblings-Düsterlingen Interpol. Wie schon bei den Deftones oder MGMT  scheint wohl auch hier  der schwächste Song als Gratisware angeboten zu werden. Auf 5 Minuten und genau 38 Sekunden tut sich nämlich mal rein gar nichts und die Stimme von Paul Banks erreicht hier ihren Pathos-Höhepunkt im schlechtesten Sinne. Insofern wirklich nur für Fans interessant und für den Rest immerhin gratis.

Entscheidet selber : http://www.interpolnyc.com/lights.html

Animated Short der Woche: Vincent (Tim Burton)

Unser animierter Kurzfilm der Woche ist dieses Mal wieder ein echter Klassiker. Tim Burtons Vincent von 1982 vereint viele der klassischen Burton-Stilistiken, bevor diese den unangenehmen Beigeschmack des Totgespielten hatten. Interessanter Nebenaspekt: Der Film wurde von Disney produziert, kurz bevor Burton dort enttäuscht das Handtuch warf, da seine Ideen dem Studio zu abseitig waren. Fast 30 Jahre später ist der einstige Außenseiter mit seiner Alice im Wunderland Interpretation eben zu jenem Studio zurückgekehrt… nur als umworbener Starregisseur.

Vincent (USA 1982)

Drehbuch, Animation, Regie: Tim Burton

Stimme: Vincent Price

Laufzeit: 6 Minuten

http://www.imdb.de/title/tt0084868/

http://www.awn.com/mag/issue1.9/articles/frierson1.9.html

Direct to DVD – Der Mystery Horrorthriller "Triangle – Die Angst kommt in Wellen"

Es gibt Filme, über die man im Vorfeld nicht zu viele Worte verlieren sollte. Jede genaue Inhaltsangabe, jede inhaltliche Auseinandersetzung zerstört allzu viel der überraschenden Twists, der unheilvollen diffusen Gesamtatmosphäre und spoilert den Leser und späteren Zuschauer geradezu in Richtung Langeweile. In diese Sparte fällt auch Christopher Smiths (Creep) neuster Horrorthriller Triangle, der als klassischer Spukslasher beginnt und sich sukzessive zu einem interessant konstruierten Mysterydrama entwickelt. In unserer Rezension wollen wir dennoch versuchen, den Film zu beurteilen, ohne wesentliche inszenatorische Coups vorwegzunehmen.

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Eulen nach Athen? – Deftones – "Diamond Eyes" im redaktionellen Dreikampf

Auf über 15 Jahre Veröffentlichungsgeschichte blickt die Alternative Metal band Deftones mittlerweile zurück. Adrenalin wurde angeheizt, es wurde um das Fell getanzt, weiße Ponys wurden gezüchtet, Totenköpfe auf Liebeserklärungen gebettet und samstägige Nächte zertrümmert. Auf dem neuen Album funkeln uns die diamantenen Augen einer weißen Eule entgegen. Ob diese das Versprechen nach schillernder musikalischen Schönheit auch halten können, darüber streiten Marcus Dost, Florian Bayer und Rinko Heidrich im redaktionsinternen Dreikampf.

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Postrock für lau – Rien: 3

Für alle geizigen Postrockfreunde gibt es die neuste EP der französischen Band Rien auf der Labelseite L’amicale Underground zum kostenlosen Download. Rien spielen auf 3 stimmungsvollen und treibenden Instrumental Postrock, der zwischen atmosphärischem Filmscore (a jerk in da hell) und klassischen Progressive Rock Zitaten (V) pendelt. Dadurch ist die gerade mal vier Songs umfassende EP abwechslungsreich genug, um auch längere Zeit unterhalten zu können. Der Song Masterkraft taucht gar in wüste Noise-Gefilde ab, ohne jedoch den harmonischen Gesamteindruck der kompakten EP zu zerstören. Neben der Möglichkeit des kostenlosen Downloads kann das Album auch inklusive äußerst stilvollem Coverartwork beim Label bestellt werden. Fans von Fantomas, Mogwai und Ennio Morricone sollten einen Hördurchgang wagen.

Kurzfilm der Woche: Un Chien Andalou

Diese Woche: Einer der ganz großen Klassiker des surrealen Films, aus dem Jahre 1929.

Teil 1

Teil 2

Ein andalusischer Hund (Un chien Andalou 1929)

Drehbuch: Salvador Dalí, Luis Buñuel

Regie: Luis Buñuel

Produktion: Luis Buñuel

http://www.imdb.com/title/tt0020530/

Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Sechste: Robert Altmans "The Player" (1992)

Normalerweise beleuchten Meta-Filme den kreativen Schaffungsprozess: Klassiker des selbstreflexiven Kinos nutzen den Blick der Regisseure, der Crew oder gar des Rezipienten, um die Möglichkeiten des Films auszuloten, aufzuzeigen und in kreisförmigen Bewegungen zu ihrer Ader zurückzuführen. Aber das Konzept des Films als Kunst, als Erweiterung des Geistes und als Medium zwischen Realität und Fiktion wird dabei konstant aufrecht erhalten. Mit seinem 1992er Film „The Player“ beschreitet Robert Altman einen anderen Weg: Film als Produkt, Film als Kommerz, Film als Tod der Kreativität. Willkommen in Hollywood. The Player ist ein zynischer Abgesang auf die Mechanismen des Big Business und die Ohnmacht der daran beteiligten Künstler.

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Bildbeute: Castingallee II>

Der hohe Straßenrand, auf dem wir lagen,

War weiß von Staub. Wir sahen in der Enge

Unzählig: Menschenströme und Gedränge,

Und sahn die Weltstadt fern im Abend ragen.

(Georg Heym)

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Zum Kinostart von Noah Baumbachs "Greenberg": Rezension zu seinem 2005er Drama "Der Tintenfisch und der Wal"

Einen Film über Familienprobleme und Scheidung zu drehen, dürfte wohl mit zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt gehören. Immerhin muss der zuständige Regisseur den schmalen Grad zwischen Spannung und Realismus, zwischen Alltag und Tragik beherrschen, ohne dabei in Kitsch oder Beliebigkeit abzurutschen. Und dann gibt es natürlich noch das Problem mit dem Referenzwerk: Was damals bei „Kramer gegen Kramer“ für Aufsehen sorgte, ist mittlerweile nicht nur überholt, sondern gar als abgedroschen definiert, umso schlimmer, da sich Filme zu dem Thema nach wie vor an dem 80er Drama messen müssen. Eine Hürde, an der schon viele große Regisseure gescheitert sind. Noah Baumbachs „Der Tintenfisch und der Wal“ gelingt es, diese Probleme zu meistern, obwohl oder gerade weil er in seiner teils drastischen, teils lakonischen Darstellung sich erheblich von dem Referenzwerk unterscheidet, und auf seine ganz eigene Art zu den anrührendsten Dramen der 00er Jahre gehört. „Der Tintenfisch und der Wal“ ist eine bitterböse, süße Tragikomödie, die sich nicht nur mit „Kramer gegen Kramer“ messen kann, sondern diesen in einigen Punkten sogar problemlos überflügelt.

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Musikvideo der Woche

Spike Jonze, Chris Cunnigham und Michel Grondry… Wer die drei Namen nicht aus dem Stand runterbeten kann, hat sich nie ernsthaft mit Clip Kultur und deren Historie auseinander gesetzt. Alle drei gehören zu den großen Schrittmachern der Clipkultur der 90er und dürften eine ganze Generation mit ihren verstörenden und wundervollen Videos geprägt haben. Hyperballad ist in der – schon an Höhepunkten ohnehin nicht armen -  Werkschau von Michel Gondry der Clip, dem es hier endgültig gelingt, die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aufzuheben und einfach nur das Video und die Kunst für sich sprechen lässt. Wie sollte man auch sonst etwas großartig erklären, das noch 16 Jahre später nicht wie von dieser Welt und von Menschenhand erschaffen wirkt?

Björk – Hyperballad

Album: Post (1996)

Regie: Michel Gondry

201 – Happy Birthday South Park

Eigentlich wäre es schon vor sieben Tagen an der Zeit gewesen. Aber da die zweihundertste Ausgabe der anarchischen Trickserie “South Park” ein Zweiteiler ist, können auch diese Woche noch Glückwünsche verteilt werden. Eine Doppelfolge also zum Jubiläum, und was für eine… Die Macher Trey Parker und Matt Stone gehen für die 200. und 201. Folge nicht den Weg, den Serien meist traditionell beschreiten – nämlich eine Best-Of-Clipshow zu veröffentlichen – sondern langen gleich in die Vollen. Bei all jenen, die jemals in der Kleinstadt auf die Schippe genommen wurden, bei all jenen, die sich darüber mokierten und nicht zuletzt auch bei jenen, die sich darüber mokierten, dass sich so viele über das Auf die Schippe Nehmen mokierten. Meta-Meta-Meta-South-Park… oder so ähnlich. Jedenfalls ein mehr als würdiges Jubiläum.

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Bunt, bunt, bunt sind alle unsere Töne – Broken Social Scene: Forgiveness Rock Record

Summer, summer, sunshine, we hate your hate, I was waiting for you, it’s all gonna break… Da hat das Kanadische Kollektiv Broken Social Scene tief in die Trickkiste gegriffen und 2005 mit der selbstbetitelten Scheibe mal so auf die Schnelle eines der besten Indie Rock Alben des letzten Jahrzehnts veröffentlicht. Bunt war es, optimistisch, sommerlich und fröhlich und dennoch komplex, ausufernd, überfrachtet, überlagert, überhastet, überreizt und einfach überherrlich, überphänomenal. Nach dem bunten Wunderlandpaket kamen sie aber auch ganz schön ins Straucheln: Da gab es die etwas halbherzige Broken Social Scene presents Reihe, die auf halber Strecke zwischen Kevin Drew und Leslie Feist stecken blieb, da gab es rührige Popveröffentlichungen eben von jener Dame… und ansonsten herrschte Funkstille. Macht nichts. 2010 melden sie sich nun zurück und pulverisieren die davor liegenden ernüchternden Jahre mit einem Handstreich.

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Caribou " Swim" – Rezension

Hach, so jetzt mal einen großen Zug von dem verbotenen Grünzeug nehmen und langsam zu den verspulten Klängen von Caribou irgendwo fernab der Realität abtauchen. Schon der erste Song Odessa klingt nach einer exotischen Gegend in der sich French House Marke Etienne D`Crezy und Minimal wie Four Tet gemeinsam eine Tüte bauen und die Langsamkeit entdecken. Wo man in halluzigenen Zuständen alles verlangsamt aufnimmt kann man hier diesen Zustand nun hören und eigentlich auf den ganzen Mist verzichten; ist ja eh zu teuer und ungesund. Warum also nicht lieber in einen richtig schönen Trip wie Swim investieren, bei dem man sich knietief m LSD Gewässer wähnt, so schön bunt und grell ist das hier. weiterlesen