Die 00er Jahre: Die besten Pop-Alben des Jahrzehnts II

Dieses mal mit gleich drei Electronica-Projekten aus Frankreich: French House an der Schwelle zum Pop von Modjo und Daft Punk, sowie einen vielseitigen Downtempo Soundtrack von Air. Darüber hinaus haben wir für euch  vielfach ausgezeichneten Vocal Jazz  von Norah Jones im Programm, deftigen Pop-Punk und Alternative Rock von Jimmy Eat World, entspannten Soft Rock und Bubblegum Pop von den Cardigans, ein Sommeralbum von R.E.M., melancholischen Folk-Pop von Coldplay, Neue neue deutsche Wellen von den Helden und emotionalen  Post-Grunge von Matchbox Twenty.

 

Norah Jones – Come away with me

(2002)

Wunderbaren Wohlfühl-Contempary-Jazz bietet das Debütalbum von Norah Jones. Bei den Grammys 2003 durfte sie dann damit auch richtig abräumen: Album des Jahres, bestes Pop Vocal Album, Song des Jahres, beste weibliche Pop-Performance, und, und, und… Acht Awards sollten es letztendlich werden und die zahllosen Auszeichnungen (sowie das siebenfache Platin in Europa) sind in diesem Fall auch durch und durch verdient. “Come away with me” atmet und lebt; warmherzige Popsongs an der Schnittstelle von Vocal und Smooth Jazz, Singer/Songwriter und Country, die auch gerne in World und Swing-Regionen tanzen, dabei aber immer unheimlich entspannt und liebenswert sind. Ein ungemein sympathisches Debüt einer ungemein sympathischen Sängerin.

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Jimmy eat world – Bleed American

(2001)

Jimmy Eat World gehören zu den großen Vorreitern des Emo-Rock.  Nach ihrem gefeierten 99er Meisterwerk “Clarity” haben sie darüber hinaus ein Musterbeispiel dafür gegeben, wie sich eine aus der alternativen Rockszene stammende Band sukzessive dem Pop und Mainstream hin öffnen kann. Ein zentrales Album auf diesem Weg ist “Bleed American” von 2001. Deftige schnelle Pop-Punk-Rock-Nummern treffen auf eingängige Sunshine-Popsongs und ergeben ein himmlisch schnell zündendes Gemenge aus wilden Gitarren und eingängigen Hooklines. Der politische Protest wird zur Party, die gesellschaftskritische Botschaft zur Nascheinheit und das Ganze macht trotzdem außerordentlich viel Spaß, geht schnell ins Ohr und verweilt dort auch gerne etwas länger. Wenn aus Subversion Pop wird, kann man sich an dem Ergebnis auch manches Mal einfach erfreuen…

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Daft Punk – Discovery

(2001)

Französische Electronica die Erste… Das Duo Daft Punk kommt aus der House-Ecke, hat sich für seinen Sound auf dem Album Discovery allerdings auch poppigen Tönen geöffnet. Neben treibenden Techno-Klängen wartet das Album mit Dance, Elekcro-Pop, klassischen europäischen Discoanleihen, Funk und verträumtem Ambiente auf. Was die Produktion endgültig in den siebten Pophimmel hieft, ist die gewiefte Marketingkampagne, die mit der Veröffentlichung einherging. So waren die blauen Animefiguren nicht nur in den Videoclips der Singleauskopplungen zu sehen, sondern bekamen mit Interstella 5555 auch gleich einen eigenen Film spendiert. Der Aufwand zahlte sich aus. Vom Rocker über den Popper bis zum Raver trällerten 2001 alle: “One more time! We’re gonna celebrate. Celebrate and dance so free!”

 

 

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The Cardigans – Long gone before daylight

(2003)

“Love me, love, say that you love me” erschallte es 1996 aus den Boxen, während im zugehörigen Vidoclip Leonardo Di Caprio als Romeo um die Hand der Julia Claire Danes buhlte. Und wir alle sind dieser Aufforderung nur allzu gerne nachgekommen. Dank des Soundtracks zu der Shakespeare-Neuinterpretation wurde die schwedische Band Cardigans weltberühmt. Ihre eigenständige Mischung aus Bubblegum Pop, sanftem Alternative Rock und pathetischen Balladen funktioniert auch in diesem Jahrtausend. Ja, das ist mitunter ganz schön kitschig, und manchmal greifen Nina Person und ihre Mannen auch tief in die geschmacklose  Schmalzgrube. Aber es geht auch anders: Das beweisen die locker flockigen Popstücke und die eingängigen Gitarrensongs, die sich heimlich zwischen die Schmachtfetzen auf “Long gone before Daylight” geschmuggelt haben. Wer keine Angst vor großem emotionalen Pathos hat, wer eine sanfte Mischung aus Pop, Rock und Alternative schätzt, der darf sich auch hier wieder in die Töne dieser zuckersüßen Band verlieben.

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R.E.M. – Reveal

(2001)

R.E.M. hatten schon immer zu jeder passenden Stimmung und Jahreszeit auch das richtige Album zu bieten. Mit Monster erschufen sie ihr wüstes, vertracktes Rockwerk, mit Automatic for the People das melancholische Herbstalbum und Up war ihr Ausflug in experimentelle Elektronikgefilde. Mit Reveal gibt es seit 2001 auch ein sommerliches Pop-Album der Band. Stücke wie “Imitation of Life” und “All the way to Reno” sind warmherzige Popsongs mit gewohnt gekonnten Lyrics, frischen Melodien und durchgängigem Ohrwurmcharakter. Und dazu gibts auch gleich die passende Botschaft: Thats sugarcane that tasted good /thats cinnamon thats hollywood / C’mon c’mon no one can see you try…

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Modjo – Modjo

(2001)

Französische Electronica… die Zweite. Während die vorangestellte Single “Lady (Hear me tonight)” die Charts erobern sollte, blieb dem selbstbetitelten Album Modjos dieser Erfolg leider verwehrt. Der One-Hit-Wonder-Status ist mehr als schade. Modjo bietet einen sommerlichen, frischen French House Stil, der keine Scheu vor Funk, Jazz, Flamenco, Pop der Marke Timberlake und klassischem Disco hat. Das geht gut ins Ohr, bewegt die Tanzbeine und weckt mit seinen entspannten Beats sommerliche Dance-Sehnsüchte. Diese erfüllten sich die Hörer und Tänzer in den Discos auch prompt, um bei “Lady” jedes Mal in einen seltsamen Gruppentanz der Marke semi-gleichgeschaltete Schritte zu verfallen.

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Coldplay – Parachutes

(2000)

Coldplay haben sich im Laufe der 00er Jahre mit ihrem höchsterfolgreichen, zuckersüßen Indie-Folk-Pop zu Lieblingen der Massen und zum Feindbild der Indie-Hörer hochgespielt. Ihr Debüt Parachutes bietet dabei immer noch die beste Mischung aus alternativem Folk-Rock und wunderbar harmonischen, bis zum Kitsch emotionalen Hits. Da wird von schönen Welten geträumt, im eigenen Weltschmerz gebadet und am Ende die optimistische Botschaft mitgegeben “Everything’s not lost!”. Diese kleine Perle am Folkpop-Himmel hat wunderbar eingängige und berührende Songs zu bieten, die sich nicht davor scheuen pathetisch, überemotional und mitunter zartbitter naiv zu sein. Die beste Form von Heulsusenmusik, die man sich vorstellen kann.

 

 

 

 

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Air – The Virgin Suicides (Soundtrack)

(2000)

Französische Electronica… die Dritte. The Virgin Suicides von Air ist mehr als ein klassischer Filmsoundtrack. Im Gemege von nostalgischen Retroklängen, downtempo Electro, sowie Chill Out und Lounge Ambiente entstehen auf dem Score zu Sofia Coppolas Film melancholische Electro-Pop-Stücke, die keine Vocals benötigen um sich ganz allmählich und zurückhaltend in Ohr, Herz und Gehirnwindungen festzusetzen. Das Ergebnis ist mitunter entspannt, mitunter  sich komplett zurücknehmend, mitunter offensiv an den Gefühlsregionen kitzelnd und manchmal auch – wie in der Radioauskopplung “Playground Love” – einfach nur wunderbar verschüchterter Feel-Good-Pop.

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Wir sind Helden – Von hier an blind

(2005)

Zur Mitte des Jahrzehnts überraschten die Helden der neuen Neuen Deutschen Welle die Musikwelt mit einem für ihre Verhältnisse ausgesprochen wütenden und traurigen Werk. Trotzdem wird auch auf  “Von hier an blind” an dem Reklamations-Erfolgskonzept festgehalten: Schnelle Rockstücke, kunterbunte Electronica, sanfte Baladen, dadaistische Lyrics und dazu Judith Holofernes’ unverwechselbare, charismatische Stimme lassen auch den Nachfolger des Bestsellers zu einer runden Angelegenheit werden. Und auch hier beweisen die Helden wieder einmal Stilsicherheit im Umgang mit der Rock- und Popgeschichte. Das zur Single “Nur ein Wort” gedrehte Video stellt eine herrliche Referenz an Bob Dylans Subterranean Homesick Blues dar, die geschickt um raffinierte filmtechnische Mittel wie Loops und Zeitraffer erweitert wurde.

 

 

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Matchbox twenty – mad season

(2000)

Rob Thomas hat sich nicht nur mit der Santana-Kollaboration “Smooth” als echter Herzensbrecher erwiesen. Auf Mad Season spielt der charismatische Sänger zusammen mit seiner Band eine gediegene Mischung aus amerikanischem Post-Grunge und alternativem Stadion Rock und packt zudem eine gehörige Pop-Schlagseite in das Geschehen: Breitschultrige Hymnen und bombastische Balladen gibt es hier ebenso zu entdecken wie alternative Rock N Roll Pakete. Dass das ganze mitunter zu tief in Kitsch-Gewässern schwimmt… geschenkt. Im Gegensatz zu Bands wie Nickelback und Creed klingt das Material von Matchbox twenty ausgesprochen smooth und frisch und versucht gar nicht erst mehr zu sein als erdiger Pop-Rock.

 

 

Die besten Pop-Alben des Jahrzehnts:

–> Teil 1

Die vergessendsten Alben des Jahrzehnts:

–> Teil 1

–> Teil 2

–> Teil 3

–> Teil 4

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