Vampire Weekend "Contra" – Alles wird gut

VÖ: 08.01.2010

Vor knapp zwei Jahren war Afrobeat auf einmal wieder en vogue und konnte auf der Erfolgswelle gleich Bands wie Foals und Fools Gold mit nach oben schwemmen. Und gerade, da der Afrobeat so langsam durch düsteren, grimmigen Dancehall wie von Major Lazer vertrieben wird, kommen Vampire Weekend und bald auch die WM in Südafrika. Ob ein Township-Bewohner sich über bleiche junge Nerds freut, die afrikanische Tanzmusik mit weißer Rockmusik verbinden, ist fraglich, aber zumindest nördlich des Äquators verzückt die Band Jungs und vor allem Mädchen. Was früher noch Spott eingebracht hätte, ist in Zeiten des Gender-Mainstream längst akzeptiert.Nach dem nicht zu erwartenden Erfolg anno 2008 nun also das zu erwartende Album im Jahr 2010. Viel geändert hat sich auch nicht, fast könnte man meinen, das selbstbetitelte Debütalbum und „Contra“ wären als Doppelalbum geplant gewesen. Im Gegensatz zu dem Vorgänger sind die Songs besser produziert und wirken ein bisschen elektronischer. Der Gesang von Sänger Ezra Koenig wirkt dagegen entrückter und führt einen fast in die Wohlfühlwelt der King Of Convenience, in der man nur noch in einer warmen Abendsonne unter einem großen Baum friedlich dösen möchte. Der eh schon geringe Rockfaktor von Vampire Weekend ist bis auf „Cousins“ kaum noch zu erkennen und die Song wirken noch fragiler. Zum Glück schadet das den Songs nicht, die sich endgültig nicht mehr betont Jungs-kompatibel geben und verspielt wie Baby-Kätzchen oder Mozart sind. In „Contra“ liegt soviel Harmonie, dass man tatsächlich über die Länge von 37 Minuten alle Sorgen und Probleme vergisst, allein der Autotune(!)-Einsatz in „California Englisch“ lässt die Augenbrauen nach oben schnellen. Muss das wirklich sein? Antwort: Nö. Und bitte einfach auch wieder auf anderen Alben lassen. So eine Hit-Fabrik wie Vampire Weekend hat das eh nicht nötig und statt Contra ist auch hier wieder ein großes Pro zum Kauf (darf man noch und ist wirklich gar nicht schwer, echt ey) des Albums zu geben. Draußen ist es bitter kalter Winter und anstatt krebserregender Glühwein-Pampe trinken wir lieber erfrischende Horchata und lassen den Sommer in unsere Herzen rein.

Edit: Diese Rezi wurde nicht unter Einnahme von Halluzinogenen geschrieben und verliebt bin ich auch nicht.

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