Bergman, Cronenberg und Lynch in Berlin – Der surreale Horror-Kultfilm Possession auf DVD

Ein polnischer Regisseur dreht mit internationalen Darstellern einen englischsprachigen Film im geteilten Berlin der frühen 80er Jahre. Was in der Beschreibung bereits ambitioniert klingt, ist im Endergebnis eine höchst absurde Tour de Force, ein wahnwitziger Horrorschocker über jegliche Klassen- und Genrezuschreibungen hinaus. Andrzej Zulawski pfeift auf gängige Konventionen und liefert mit Possession eine wüste Mischung aus Ehedrama, Kammerspiel, Psychogramm, Bodyhorror und metaphysischem Surrealen Mysterythriller, die dem Zuschauer ein ums andere Mal den Boden unter den Füßen wegzieht. Dem Verleih Bildstörung ist es zu verdanken, dass der rare Kultfilm seit 2009 auch in Deutschland ungekürzt auf DVD erhältlich ist.

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Der Lebensretter im Roggen – Zum Tode Jerome David Salingers

What really knocks me out is a book that, when you’re all done reading it, you wish the author that wrote it was a terrific friend of yours and you could call him up on the phone whenever you felt like it.

(Holden Caulfield)

Am 27. Januar 2010 ist Jerome David Salinger im Alter von 91 Jahren gestorben. Für einen Mann, der gerade mal einen Roman publiziert und nur 35 Kurzgeschichten veröffentlicht hat, der sich nach dem Welterfolg „Der Fänger im Roggen“ aus dem gesellschaftlichen und literarischen Leben praktisch komplett zurückgezogen hat, ist die Liste an Kondolenzen und Nachrufen in den letzten Tagen ungewöhnlich lang geworden. Scheinbar… Denn trotz des kleinen Oeuvres gilt J.D. Salinger als meistgelesener und meistbesprochener amerikanischer Autor der Nachkriegszeit. Und das liegt selbstverständlich am „Catcher in the rye“, an dieser legendär gewordenen jugendlichen Seelenschau. Ein Roman, der zu seiner Erscheinungszeit 1951 viel Häme und Kritik ausgesetzt war, der in einigen Ländern gar verboten wurde und es dennoch zu Weltruhm und zur festen Verankerung im literarischen Kanon der Gegenwartsliteratur geschafft hat.

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Introducing…Mike Mind – Minimal aus Quebec

Da dachte man schon das Minimal eigentlich schon wieder durch ist und plötzlich veröffentlichen demnächst Four Tet und Pantha du Prince ihren beiden Meisterwerke innerhalb kurzer Zeit. Schützenhilfe kommt von Newcomer Mike Mind weiterlesen

Kanonisierung – Live! –— Kultur, Subkultur, Gegenkultur und die Macht des Rezipienten

Da ist es schon wieder. Das böse K.-Wort. Angesichts eines – wie immer in erstaunlicher Regelmäßigkeit stattfindenden – Jahrzehntwechsels erklingt es hier und dort, in Feuilletons, Fachzeitschriften, Foren und Social Networks. Kanon hier, Kanon da, Kanon überall: Die besten Filme des Jahrzehnts, die besten Alben des Jahrzehnts, die besten Bücher des Jahrzehnts und neu hinzugekommen – der kulturellen Etablierung sei Dank – die besten Videospiele des Jahrzehnts. Seit mehreren Jahrtausenden vitaler Menschheitskultur gilt immer noch der Grundsatz: es gibt nicht nur den Kulturschöpfer, sondern auch den Kulturkategorisierer, Bewerter, Kritiker, summa summarum, den aktiven Kulturrezipienten. Gebt uns Wertungen, gebt uns Kritiken, die Emporhebung und Vernichtung von Werken und gebt uns selbstverständlich auch Listen!

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Konservierte Avantgarde – Eine Rezension zu Univers Zeros neustem Album Clivages

Die seit 1974 existierende Band „Univers Zero“ zählt neben Henry Cow, Stormy Six und Art Zoyd zu den prominentesten Vertretern des so genannten RIO – „Rock in Opposition“. In ihrer mittlerweile über 35 Jahre andauernden Karriere hat es die Band allerdings nur auf neun ganze Studioalben, einige EPs und Liveaufnahmen geschafft. Dies liegt nicht nur an der zwölfjährigen Pause, die sich die Band von 1987 – 1999 selbst verordnete, sondern ebenso an dem äußerst unregelmäßigen Veröffentlichungsrhythmus, der Fans auch gerne mal fünf Jahre auf das nächste Werk warten lässt. Das letzte Album „Implosion“ ist 2004 erschienen und nun also, 2010 – sechs Jahre später – der lang ersehnte Nachfolger für Freunde des AvantProg und der komplexen Kammermusik.

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Ich, Casual Gamer! – Eine Betrachtung der Videospielszene von außen

Vor Kurzem hat mich ein Freund und Kollege vollkommen zurecht als Casualgamer bezeichnet. Woran liegts? Nun ich nenne weder X-Box360 noch Playstation 3 mein eigen. Nicht mal eine Nintendo Wii, die von Lästerern gerne als Casual-Konsole – oder von <15jährigen als Kiddie-Konsole – bezeichnet wird, befindet sich in meinem Besitz. Stattdessen breche ich liebend gerne Rekorde bei Bejeweled-Blitz (ein 1minütiges Flashgame auf Facebook), krame in einem Anfall von Nostalgie meinen alten Game Boy mit ausgebleichtem Tetris-Modul hervor und verschiebe Karten oder Mahjonggsteine auf der betriebssysteminternen Software. Mein letztes Coregame liegt bestimmt über vier Jahre zurück, Civilisation 4, und ist ehrlich gesagt nach mehrmaligem Anspielen in der Schublade gelandet, wo es jetzt neben alten Disney-Videokassetten und selbst erstellten Kassettenmixtapes vor sich hin staubt.

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Kulturhauptstadt Ruhr 2010 – Aufbau West

Ein Geo-Spezial zum Ruhrgebiet. Das klingt seltsam und irgendwie unpassend. Eigentlich wie Currywurst mit Bechamel-Sauce und dazu ein Sauvignon Blanc. Das Kulturjahr 2010 trägt wirklich seltsame Blüten und Grönemeyer wurde auch extra aus seinem Londoner Exil eingeflogen, damit er seinen Beitrag zum Eröffnungsfest in der Zeche Zollverein einsingen kann. Die Reden der Organisatoren und Unterstützer sind natürlich hellauf begeistert und werfen mit Begriffen wie “Riesenchance” und “Wandel” um sich. Lob gibt es auch nicht  zu knapp, das Wahlvolk muss ja bei Laune gehalten werden. Plötzlich ist der Sitzenbleiber aus der letzten Reihe der große  Star beim Schulfest. weiterlesen

Introducing… Kazuki Tomokawa

Seit 1970 ist der „Schreiende Philosoph“ Kazuki Tomokawa ein nicht wegzudenkender Bestandteil der japanischen Musikszene. Trotzdem kann die Rezeption des Dichters und Folksängers außerhalb Asiens nur als mangelhaft bezeichnet werden. Obwohl seine Discographie mittlerweile über zwanzig Veröffentlichungen umfasst und sowohl Albennamen als auch Songtexte ins Englische übersetzt wurden, blieb dem Poeten bisher ein größerer Erfolg in Übersee verwehrt.

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Neue Kategorie: Introducing…

Ab sofort gibt es auf Seite360 eine neue Kategorie. Ziel der unter “Introducing…” (engl. Einführung) eingestellten Artikel ist es, euch weniger bekannte Künstler und Werke vorzustellen, die unserer Meinung nach eine breitere Öffentlichkeit verdient haben. Die dabei Vorgestellten können sowohl neue als auch alte Künstler sein. Vergessene Schätze, die es lohnt auszugraben, ebenso aber auch Newcomer, die gerade in den Startlöchern stehen und eine erhöhte Aufmerksamkeit verdienen.  “Weniger bekannt” ist dabei natürlich relativ zu sehen. Leser, die sich gerne abseits vom kulturellen Mainstream orientieren, dürften das ein oder andere Vorgestellte bereits kennen. Aber Ziel dieser Kategorie soll es tatsächlich sein, Perlen zu finden, die selbst subkulturellen Kreisen bisher verborgen blieben. Der vom Feuilleton geliebte und vom Publikum grötenteils missachtete Arthouse-Film wird hier also nicht auftauchen, ebenso wenig wie die neuste angesagte Indieband, die bereits bei Pitchfork oder im NME abgefeiert wurde und deren Durchbruch in der alternativen Musikszene kurz bevorsteht.

Im besten Fall gelingt es uns, den ein oder anderen euch bisher verborgen gebliebenen Schatz auszugraben, das ein oder andere euch unbekannte Goldstück zu präsentieren. Also dann: Auf ein fröhliches Schürfen und Sieben…

Künstliche Weiten: Ein Kommentar zu James Camerons Avatar


Dieser Text ist nicht viel mehr als eine weitere Rezension zu James Camerons Avatar. Der Film wurde schon auf vielen Seiten besprochen, rezensiert, gelobt und auseinander genommen. Auch auf Seite360 hat Rinko Heidrich mit seiner sehr guten Rezension bereits eine Empfehlung für den Film ausgesprochen. Dieser Text versteht sich bewusst nicht als eine Empfehlung für oder Warnung vor dem Film. Er richtet sich primär an Personen, die Avatar bereits gesehen und sich bestenfalls auch ihr eigenes Urteil dazu gebildet haben. Er enthält Spoiler, vage Analyseansätze, aber insbesondere kulturelle und metamediale Gedanken. Leser, die in dem Film vor allem leichte – vielleicht auch stupide – Hollywoodunterhaltung sehen, die sie für 2 Stunden in eine andere Welt entführen kann, und die dieses Erlebnis nicht zerdenkt oder zerredet haben wollen, sollten daher an dieser Stelle aufhören zu lesen. Zuschauer, die eine klare Empfehlung oder Abratung erwarten und noch mit sich hadern, ob sie den Film anschauen sollten, denen sei gesagt, dass der Autor dieser Zeilen „Avatar“ in rein qualitativer Hinsicht miserabel fand, was auch in den folgenden Punkten immer wieder begründet werden wird. Wer den Film noch nicht gesehen hat und versucht so unvoreingenommen wie möglich hineinzugehen, sollte an dieser Stelle nicht weiter lesen, um sich den bevorstehenden Kinoabend nicht verderben zu lassen. Der Text beinhaltet lose Thesen, weder mit Anspruch auf Vollständigkeit noch darauf alle Aspekte des Films und des damit verbundenen Rummels zu erfassen. Er ist für einen Blogeintrag viel zu lang. Der folgende Text stellt eine subjektive Meinung dar.

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Goo Goo Dolls – Rezension zum 90er Klassiker "Dizzy Up The Girl"

Es ist nie ein schöne Angelegenheit, wenn die einstmals so geliebte Indie Band ihren Sound für den Mainstream aufpoliert und man urplötzlich auch mit Leuten „seine“ Lieblinge teilen muss, die eigentlich gar nicht wirklich Musik mögen. weiterlesen