Rezension zu Disneys "Küss den Frosch"

In den Zeiten computeranimierter Trickfilmhelden, die sich nun auch in 3D auf den Leinwänden tummeln und allerlei halsbrecherische Abenteuer bestehen, in Zeiten, in denen Pixar und Dreamworks den Markt der Animationsfilme beherrschen und in Zeiten, in denen schon die junge Zielgruppe auf Action und Spannung aus ist, wagt sich ein Zeichentrickfilm auf die Leinwand, wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat. Walt Disney bringt, pünktlich zur Weihnachtszeit, tatsächlich einen Film in 2D in die Kinos, einen Film, der auf guten alten Zeichenbrettern entstand und an den damit die bange Frage gestellt wird, ob es heutzutage noch möglich ist, den alten Disney-Zauber zu entfesseln.

Was überhaupt macht einen Zeichentrickfilm zu einem typischen Disney-Film?

Da wäre zum einen eine Geschichte rund um die große Liebe, mit einem abscheulichen Bösewicht und vielen guten Helfern, die – und das ist wohl kaum zuviel Spoiler – natürlich mit einem Happy End abschließt.  Eine Geschichte, die hier rund um die Stadt New Orleans spielt, in der Tiana mit harter Arbeit für ihr eigenes Restaurant, den großen Traum ihres Vaters, spart, bis sie eines Tages einem Frosch begegnet, der – wen wundert‘s – vorgibt, ein verzauberter Prinz zu sein. Wahrlich, die Geschichte ist nicht neu und bietet auch kaum Überraschungseffekte, aber es scheint auch nicht, als wolle dieser Film etwas Neues oder Überraschendes bieten.

Da wären zum zweiten Charaktere, die zwar recht einfach gestrickt sind und denen keinerlei Tiefe zu Teil wird, die aber gerade damit in das typische Rollenrepertoire eines Disney-Filmes passen. Die Hauptfiguren fügen sich tatsächlich ohne Weiteres in die Klischees: Mädchen, Bösewicht, Prinz – auch wenn bei Letzterem mit Rollenerwartungen gespielt wird. Und so sind es Nebenrollen, die Witz und Elan in den Film bringen. Da wäre zum Beispiel das trompetende Krokodil, das einmal im Leben in einer echten Jazz-Band spielen möchte – oder das Glühwürmchen, das den Abendstern verehrt.

Da wäre zum dritten beschwingte Musik, die mit musicalähnlichen kunterbunten Szenen in die Geschichte eingesponnen wird. Lieder, die von den Protagonisten begonnen werden, die dabei tanzen, musizieren oder einfach nur wild durch die Gegend springen. Mit vielen Jazznummern, Big-Bands und der Mardi Gras-Parade ist der Film hier zugleich eine Hommage an die Stadt New Orleans.

Und da wäre zu guter Letzt ein Zuschauer, der sich auf diese märchenhafte Welt einlässt, der im Takt der Musik das Bein wippt und dem hier und da ein romantisches „Ach“ entfährt. Zuschauer unserer Generation werden sich hierbei mit wohligem Gefühl an die Filme ihrer Kindheit erinnern, werden deutliche Parallelen zu Filmen wie „Die Schöne und das Biest“ oder „Das Dschungelbuch“ ziehen können und so in Nostalgie versunken und durch die staunenden Augen eines mittlerweile groß gewordenen Kindes das neueste Disney-Märchen bewundern.