Rezension zu Sandra Nettelbecks "Helen"

Helen (Ashley Judd ) könnte den Prototyp einer Frau darstellen, die alles erreicht hat. Die erfolgreiche Musikprofessorin ist glücklich verheiratet mit David, hat eine zauberhafte Tochter, Julie, und einen netten Freundeskreis. Doch mitten hinein in diese Idylle kommen wie aus dem Nichts heraus Sinnlosigkeit und Leere. Anfälle von Traurigkeit, Wut und Verzweiflung befallen Helen, ihr altes Leben entgleitet ihr, Antriebslosigkeit bestimmt den Alltag. „Ihre Frau ist nicht unglücklich, sie ist krank.“ klärt der Neurolge den hilflosen David auf. Die Diagnose lautet Depression.

Bald beginnt, das Umfeld Helens an ihrem Leiden zu zerbrechen. Außer der ebenfalls depressiven Mathilda ( Lauren Lee Smith ), einer ihrer Studenten, kommt niemand mehr an sie heran. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine außergewöhnliche Freundschaft, in der es trotz aller Hoffnungslosigkeit vor allem Verständnis gibt. Der exemplarische Fortgang der tückischen Krankheit wird in Helen und letztlich auch in Mathilda mit all ihren grausamen Facetten gezeigt, bis hin zu Suizidversuchen und Psychiatrieaufenthalten.

Sandra Nettelbeck geht mit diesem Film ein lange geplantes Projekt an. Bereits seit dem Selbstmord ihrer Jugendfreundin Katinka 1995, der sie den Film widmet, arbeitete sie an einem Film zum Thema Depression.

Dieser persönlichen Erfahrung ist es wohl zu verdanken, dass sie mit enormem Fingerspitzengefühl an die Krankheit Depression herangeht, sich aber dennoch nicht davor scheut, die krassen Phasen, die die leidende Hauptperson durchlebt ohne jegliche Beschönigung oder Abfederung darzustellen. Dadurch gelingt ihr eine einfühlsame und zugleich deutliche Porträtierung Helen. Als Zuschauer wird man förmlich hineingezogen in die Gefühlswelt Helens, man spürt die Schwere und empfindet die Hoffnungslosigkeit. Eine deutliche Bildsprache, zum Beispiel triste Farben oder die grelle Darstellung eines Krankenhauszimmers, sorgt außerdem dafür, die Stimmung wirkungsvoll zu transportieren.

Zudem ist die Eindringlichkeit der Darstellung sicherlich auch einer überragenden schauspielerischen Leistung von Ashley Judd zu verdanken. Die Nebenfiguren bleiben außer Lauren Lee Smith in der Rolle der Mathilda recht blass und dienen letztlich auch nur dazu, den Zusammenbruch und die Co-Krankheit des Umfelds darzustellen.

Was Nettelbeck hier gelingt, ist auf der einen Seite Aufklärung über eine oft missverstandene Krankheit und auf der anderen Seite ein unheimlich berührendes Porträt einer Leidenden und ihres Umfelds. Sicherlich alles andere als ein Film für einen beschwingten Kinoabend, aber vermutlich gerade aufgrund der Schwere ein Einblick in ein stilles Leiden, der hängen bleibt.

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