Rezension zu Roland Emmerichs "2012"

Es musste ja so kommen. Das ganze Brimborium mit Maya-Kalender, Planetenkonstellationen und Weltuntergang war einfach wie geschaffen für Roland Emmerich. Erst pulverisierten Aliens in „Independence Day“ ganze Städte, dann legte Godzilla New York in Schutt und Asche und schließlich raffte ein plötzlicher Klimawandel („The Day After Tomorrow“) mal eben Millionen Menschen dahin. Dass Emmerich nun die ganze Welt untergehen lässt, ist da eigentlich nur der nächste, logische Schritt. Und da „2012“ eben genau in der Tradition der größenwahnsinnigsten Filme des größenwahnsinnigsten Regisseurs Hollywoods steht, ist es fast schon unnötig zu erwähnen, dass Emmerich sein Erfolgskonzept nur minimal variiert. Bombastszenen hier, wirre Verfolgungsjagden dort und zwischendrin rettet der Versager von Nebenan mal so nebenbei die halbe Menschheit, was aber nur bedingt interessiert, denn viel wichtiger ist, dass er dabei seine zerrüttete Familie wieder zusammenschweißen kann. Am Ende kann dann trotz Milliarden an Toten ein Happy End gefeiert werden. Ein Kunststück, das in der Form wirklich nur Emmerich vollbringt.

Irgendwie wäre damit auch schon fast alles zu „2012“ gesagt – aber eben auch nur fast. Nicht unter den Tisch gekehrt werden darf nämlich, dass Emmerich hier so konsequent wie nie vorgeht. So ist bereits die erste Action-Szene, in der Jackson Curtis (John Cusack) samt Exfrau (Amanda Peet) und Kindern durch das einstürzende Los Angeles rast, hanebüchener als alles, was uns in „The Day After Tomorrow“ so aufgetischt wurde. Überhaupt versucht Emmerich nun gar nicht mehr, so etwas wie Fingerspitzengefühl zu beweisen, vielmehr präsentiert er die absurdesten Szenen so unglaublich schamlos, dass es eine wahre Freude ist. Wer also fähig ist, zwei Stunden lang nie nach Sinn und Zusammenhang zu fragen, sondern jede Szene als beeindruckendes Einzelbild genießen kann, der wird den Besuch von „2012“ garantiert nicht bereuen. So gesehen hat Emmerich mit „2012“ auch den Höhepunkt seines Schaffens erreicht, denn mehr „Popcornkino“ als hier geht nun wirklich nicht.

Angst macht in dem Zusammenhang nur die Verlautbarung Emmerichs, dass er als nächste Projekte einen Film über Shakespeare (!) sowie eine Verfilmung der Pazifik-Seeschlacht zwischen den USA und Japan 1942 (!!) anpeilt. Da könnte uns dann wirklich der Weltuntergang bevorstehen.

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