Rezension zu "Männerherzen"

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Mal ehrlich, liebe weibliche Kolleginnen auf dieser Welt, wollten wir nicht immer schon verstehen, wie sie ticken, die Männer? Harte Kerle, weiche Heulsusen, Autonarr oder Fußballfan, Machogehabe und Schwanzsteuerung – wer blickt da schon durch? Gut also, dass sich Simon Verhoeven mit seinem neuen Film „Männerherzen“ daran macht, dem Mysterium Mann ein wenig näher zu kommen.

Dazu präsentiert er gleich fünf Hauptfiguren und fünfeinhalb Liebesgeschichten, die eine Art Querschnitt durch die Männerwelt geben sollen. Da wäre zum Beispiel Musikproduzent Jerome (Til Schweiger), in dessen Bett die schönsten Frauen der Stadt schlafen, der es aber beruflich mit einem harten Brocken, dem Schlagersänger Bruce (Justus von Dohnanyi), der die Weltrettung als seine Aufgabe sieht, zu tun hat. Oder Niklas (Florian David Fitz), der erfolgreich in der Werbebranche arbeitet, sein Leben bereits jetzt perfekt durchgeplant hat und kurz vor der Hochzeit mit Lebensgefährtin Laura (Liane Forestieri) steht. Ganz das Gegenteil davon ist sein Kumpel Philip (Maxim Mehmet), der ewige Praktikant, der irgendwie gar nichts auf die Reihe bringt und plötzlich der Tatsache ins Augen sehen muss, dass seine Freundin Nina (Jana Pallaske) schwanger ist. Und natürlich darf auch der typische Versage nicht fehlen: Günther (Christian Ulmen), Gewerbeaufsichtsbeamter und bei Frauen bislang sehr erfolglos. Etwas tragischer hingegen die Geschichte von Bahnführer Roland (Wotan Wilke Möhring), der sich nach einem U-Bahn-Unfall nicht mehr unter Kontrolle hat und dem die Scheidung bevorsteht. Nicht zu vergessen natürlich der kleine Tommi, der sich unsterblich in seine Sandkastenfreundin verknallt und einfach nur süß ist.

All diese unterschiedlichen Typen Mann laufen sich im Fitnessstudio über den Weg, dem Ort, an dem der Mann noch am ehesten den echten Kerl in sich zeigen darf.

Diese Fülle an Protagonisten bringt Verhoeven unter, indem er in kurzen Episoden von Figur zu Figur springt und die Geschichten der Charaktere lose miteinander verknüpft. Dass es dabei niemals gelingen kann, jede der Figuren eingehend zu beleuchten, ist fast verständlich, fällt aber als eine der Schwächen des Films auf. Die Männer mitsamt ihren Beziehungen bleiben nur oberflächlich charakterisiert und entsprechen nur allzu einfach gängigen Klischees. Selbst die Charakterentwicklungen sind oft nur schwer nachvollziehbar, kommen teilweise aus heiterem Himmel und werden damit nicht glaubwürdiger. Die einzelnen Geschichten gewinnen leider kaum an Tiefe und plätschern belanglos vor sich hin und ziehen sich teilweise unnötig in die Länge. Belanglos – das Wort, das vermutlich am besten zu diesem Film passt.

Eine weitere Schwierigkeit in der weichgespülten und heiteren Filmwelt bildet die Geschichte Rolands, die in die Komödie einiges an Schwere hineinbringt. So ziehen Episoden wie zum Beispiel Rolands Besuche bei seinem dementen Vater oder Ausraster gegenüber seiner Frau Susanne (Nadja Uhl) die Stimmung zu tief nach unten. Zu tief, um anschließend direkt Günther nur allzu komische Flirtversuche verkraften zu können. Es ist sicherlich gewagt von Verhoeven, diese tragische Geschichte mit in die Komödie einzuspinnen, gelungen ist es ihm leider nicht.

Abgesehen davon hat Männerherzen aber durchaus seine Höhepunkte, die vor allem von Situationskomik und den skurrilen Eigenheiten der Figuren leben. Gerade Günther mit seinen tollpatschigen Einlagen und Bruce und sein Weltrettungs-Schlager liefern einige Lacher. Und dass das Schauspielensemble durchweg funktioniert ist wohl kein Wunder, finden sich hier doch mit Til Schweiger und Christian Ulmen Größen der deutschen Filmwelt ein.

Nun muss ich aber doch noch alle hoffenden Leserinnen enttäuschen. Der Film bietet zwar einen durchaus lustigen Einblick in die Welt unserer männlichen Artgenossen, bringt aber nichts ans Licht, was wir nicht eh schon gewusst hätten. Hilfe zum Verständnis kann er aufgrund der Oberflächlichkeit leider nicht geben. Und so geht es weiter, das Rätselraten um das Mysterium Mann.

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