Duell der Giganten – FIFA 10 vs. PES 10

fifapes

Steckt man einen Fan von 1860 München und einen Fan von Bayern München zusammen in einen Raum, kommt selten etwas Gutes dabei heraus. Blutende Nasen vielleicht oder ein paar Zahnlücken, Konstruktives ist jedoch kaum zu erwarten. Für den Einen ist der Andere der Inbegriff aller oberflächlichen Event-Fankultur und für den Anderen ist der Eine nicht mehr als ein verbohrter Neider. Die Wahrheit findet sich dann – wie so oft – in der Mitte wieder.

Bei FIFA und Pro Evolution Soccer verhält es sich im Prinzip seit jeher genauso. Die FIFA-Jünger spotten über die fehlenden Lizenzen der Konkurrenz und buchen Kritik als Ausgeburt des Neids der lizenzarmen Konami-Schüler ab, während diese herablassend FIFA als billigen Arcade-Fußball für Nichtskönner belächeln. Zusammen in einen Raum sollte man also auch keinen eingefleischten FIFA- und PES- Fanatiker stecken. Die Wahrheit liegt aber auch hier – und diesmal ganz besonders – in der Mitte.

Mehr denn je haben sich die Fußball-Simulationen von Konami und EA nämlich angenähert, beziehungsweise teilweise sogar ihre Rollen getauscht. Bei der Präsentation hat PES den großen Konkurrenten klassisch ausgekontert: Die Spielermodelle sind ungleich detaillierter, die Atmosphäre im Stadion packender, nicht zuletzt, da die Zuschauerkulisse relativ lebendig und farbenfroh wirkt, und die Lichteffekte lassen das Spielfeld nicht zu einer langweiligen Tapete verkommen, auch wenn Konami es etwas mit der Ausleuchtung übertrieben hat. FIFA10 hingen wirkt wie der Zwillingsbruder von FIFA09, der mit Schulterpolstern mehr Stärke als sein Bruder vorgaukelt. Nach wie vor sind die Zuschauer nur blasse Klone und die Spielergesichter wirken aus der Nähe so hölzern wie Figuren der Augsburger Puppenkiste. Schlecht sieht dennoch anders aus, denn beim Spielen fallen diese Schwächen nicht ins Gewicht und die hervorragenden Animationen kommen richtig zur Geltung. Erstaunlicherweise konnte Konami also die Event-Domäne von EA aufbrechen und würde sogar in diesem Bereich als Sieger vom Platz gehen, wäre da nur nicht das erneute Fehlen der Bundesliga-Lizenz.

So erstaunlich diese Aufholjagd von PES bei Präsentation und Grafik ist, so erstaunlich ist das Stagnieren von Konamis Fußballsimulation im spielerischen Bereich. Ein Schritt vor, ein Schritt zurück, hier das Spieltempo etwas höher, da das Spieltempo etwas geringer, hier etwas ein klein bisschen verbessert, dort etwas ein klein bisschen verschlimmbessert – doch wirkliche Fortschritte bleiben seit Jahren aus. Diese jedoch macht FIFA kontinuierlich. Als Arcade-Fußball kann man EAs Spiel schon lange nicht mehr titulieren, höchstens ein leichter Arcade-Einschlag ist noch vorhanden. An das Gameplay von PES reicht FIFA dennoch ganz knapp nicht heran, einfach da sich die Abwehrreihen immer noch mit Steilpässen zu leicht aushebeln lassen und so zu viele 1:1 Situationen gegen den Torwart auftreten.

Ein Unentschieden bei der Präsentation, ein knapper Sieg von PES beim Gameplay und ein ähnlich großer Umfang beider Simulationen (Virtual Pro und Manager Modus auf der einen, Meisterliga auf der anderen Seite) – ist PES also nun das bessere Spiel?

Ja und nein. Wer nur offline spielt und sich nicht an der fehlenden Bundesliga-Lizenz stört, sollte wohl auf Konamis Spiel setzen. Online-Spielern hingegen bietet FIFA ein fettes Paket (11 vs. 11, „Game Face“, und Co.), während PES in den letzten Jahren mit massiven Serverproblemen zu kämpfen hatte. Bleibt abzuwarten, wie Konami diesmal den Online-Modus in den Griff bekommt.

Im Endeffekt sind beide Spiele tolle Fußballsimulationen und wer sein Herz an FIFA oder PES verloren hat, wird sich von meinen Ausführungen eh nicht überzeugen lassen. Oder habt Ihr schon einmal versucht, einen Fan von 1860 München vom FC Bayern zu überzeugen? Glaubt mir, versucht es erst gar nicht – schon allein Eurer Gesundheit zuliebe.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>