Pearl Jam und Alice in Chains – Die Überlebenden des Grunge

Seattle, einst eine langweilige Stadt irgendwo im Nirgendwo, in der eigentlich nichts passierte und die Jugendlichen auch nicht viel mehr zu tun hatten als Bands zu gründen und Punk zu spielen. Obwohl für seine Punkbase bekannt erreichte die Szene  Ende der 80er erstmals größere Aufmerksamkeit als die Kids anfingen, Punk anders zu interpretieren und ihn mit Metal fusionierten, was später unter dem Begriff “Grunge” weltweit für Furore und bei dem Label Sub Pop für große Einnahmen sorgte.

Nachdem der extrem große Hype um Seattle verschwand, blieb nicht allzu viel von der einstmals vitalen Szene übrig. Längst war der Sound und die  Mode kommerzialisiert worden und die Welt im hedonistischen Techno oder Britpop Fieber.

Übrig blieb ein Trauma. Kurt Cobain beging Selbstmord, Pearl Jam fielen in eine Identitäskrise, Layne Staley starb an einer Überdosis Heroin und Chris Cornell macht seit einiger Zeit prollige Songs mit Timbaland. So langsam scheinen aber die Wunden geleckt und die mittlerweile nicht mehr taufrischen Herren kommen fast gleichzeitig mit ihren neuen Alben um die Ecke. Wo Pearl Jam trotz Krisen persönlicher und musikalischer Natur stoisch weiter machen und nun Album Nummer 9 veröffentlichen, hatte man mit Alice in Chains abgeschlossen. Zu groß schien der Schatten des Ausnahmesängers mit der markanten Düsterstimme.

Nach fast 10 Jahren ist es nun doch soweit und mit William DuVall hat man einen Sänger gefunden, dessen Stimme zwar an die Grabesstimme von Lanye erinnert, aber den man aufgund der Eigenständigkeit doch nicht als Plagiat werten kann. An dem Sound hat man auch nichts geändert: Alice in Chains waren schon immer die unkommerzielleren und anspruchsvolleren Bands der Seattle Szene, zu der sie eigentlich erst zu Zeiten des Booms dazu stießen. Wie einst fließen die Songs wie dunkle Lava aus den Boxen und reißen einen in den Strom aus Depression und unterdrückter Wut mit. AIC waren schon immer näher an Doom und Stoner Rock als an dem etwas breitbeinigen Hardrock von Pearl Jam, die schon immer als die Stadionrock Variante des Seattle Sounds galten und sich jahrelang bemühten Kredibilität zu bekommen.

Mit knapp 44 Jahren gehen es Eddie Vedder und seine ergrauten Mitstreiter aber ruhiger an und statt langhaarigen Metaltypen schauen  nun zufriedene Gesichter auf den Fotos entgegen. Durch den großen kommerziellen Erfolg in den 90ern hat man sich eine große Fanbase aufbauen können und während AIC für ihr Comeback kleine Brötchen backen müssen und auf Festivalauftritte hoffen müssen, füllen Pearl Jam auch heute noch schnell die Stadien und Konzerthallen dieser Welt, wo gesetzte 30/40er Paare zu den großen Hits vom Ten Album ihren nostalgischen Gefühle freien Lauf lassen, um die Hits Jeremy, Evenflow oder Release zu feiern. Viele Hits und sonderlich herausragende Songs hatten die letzten Alben nicht und auch Backspacer wie schon früher ziemlich konservativer Hardrock, der nur dann Höhepunkte hat, wenn Vedder wie schon auf dem gelungenen Into The Wild Soundtrack zur Gitarre greift und man eher ein neues Folkalbum wünscht als zwar motivierten, aber dennoch deutlich in die Jahre gekommen Weichspül Grunge Sound.

Pearl Jam werden mehr Aufmerksamkeit und auch mehr Alben als AIC verkaufen, das wird sich auch nach all den Jahren nicht ändern. Was ebenfalls gleich geblieben ist, dass AIC mal wieder das bessere und anspruchsvollere Album gelungen ist und dass sie mit ihrer Version von Metal näher am wirklichen Ursprung des Seattle Sounds sind.

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