Rezension zu Tarantinos "Inglourious Basterds"

Quentin Tarantino hat mit seinen Filmen ja schon so manche Schauspielerkarriere kräftig angekurbelt. John Travolta und Uma Thurman können davon sicher ein Lied singen. Und auch „Inglourious Basterds“ dürfte für einen Darsteller ein enormes Sprungbrett darstellen. Gemeint ist nicht Brad Pitt, der eh schon lange im Olymp weilt und der es abgesehen davon auch gar nicht verdient hätte, für seinen routiniert kühlen Auftritt in „Inglourious Basterds“ größere Lorbeeren zu ernten, sondern der Österreicher Christoph Waltz. Trotz einiger Auszeichnungen (u.a. den „Adolf-Grimme-Preis“) und diverser Rollen in Kino- und Fernsehfilmen wird Waltz für die meisten ein unbeschriebenes Blatt sein, was sich in den kommenden Monaten gewaltig ändern dürfte. Seine Darstellung des „Judenjägers“ Hans Landa hat ihm nicht nur den Preis für den „Besten Darsteller“ bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingebracht, sondern schreit auch geradezu nach einer Oscar Nominierung, für die übrigens Kritikerguru Roger Ebert vehement plädiert. Verdient hätte Christoph Waltz eine Nominierung schon allein deswegen, da er den Dreh- und Angelpunkt des neuen Tarantino darstellt. An dieser Stelle wird nun auch deutlich, warum „Inglourious Basterds“ einen eher schwächeren Film im Schaffenswerk von Tarantino darstellt:

Zogen Klassiker wie „Reservoir Dogs“ oder „Pulp Fiction“ ihre Magie größtenteils aus den faszinierenden Dialogszenen, kann „Inglourious Basterds“ hier nur bedingt mithalten, einfach da es keinen Gegenpart zur Dominanz der von Christoph Waltz verkörperten Figur des Hans Landa gibt. Wobei hiermit keineswegs gesagt werden soll, dass die anderen Schauspieler schlecht agieren, nur scheint Tarantino sich bei einigen Figurenkonzeptionen verzettelt zu haben. Gerade Lt. Aldo Raine (Brad Pitt), der als Anführer der „Basterds“ im Zentrum des Films steht, ist so eindimensional angelegt, dass man Pitt seinen wenig mitreißenden Routine-Auftritt kaum ankreiden kann. Diane Kruger, die als Bridget von Hammersmark gnadenlos ihre Rolle überspielt, muss hingegen als komplette Fehlbesetzung angesehen werden. An der Grenze zur Fehlbesetzung bewegt sich auch Tarantinos Buddy Eli Roth, der in Person des Sgt. Donny Donowitz trotz eines aufgesetzt irrsinnigen Gesichtsausdrucks erschreckend blass bleibt.

Dass Tarantino eben diesmal kein glückliches Händchen für alle seine Figuren oder deren Besetzung hatte, ist umso bedauerlicher, da „Inglourious Basterds“ ansonsten eindrucksvoll zeigt, warum der US-Amerikaner zu Recht einen Kultstatus innehat. Die Geschichte um eine Gruppe Juden (die „Basterds“), die während des 2. Weltkriegs im besetzten Frankreich Nazis abschlachten und skalpieren, um so die Moral der deutschen Soldaten zu schwächen, wird in fünf Kapiteln bildgewaltig erzählt. Stilsicher spielt Tarantino mit Elementen des Italo-Westerns sowie der Trashwelle der 70er, verwebt diese kunstvoll und gerät doch nie in Verdacht, Ideenklau zu betreiben, da seine eigene, markante Handschrift stets sichtbar bleibt. So darf die obligatorische Fußfetischismus-Szene ebenso wenig fehlen wie die charakteristisch-dominante Musikuntermalung. Vor allem beim Femme Fatal-Auftritt der Shosanna Dreyfus (Melanie Laurent), die ihr eigenes Kino in Brand steckt, um die darin versammelte Nazibrut auszulöschen, zeigt sich Tarantinos Talent, aus Farbsymbolik und Musik (hier „Cat People“ von David Bowie) Szenen für die Ewigkeit zu kreieren.

Überhaupt muss Melanie Laurent noch lobend erwähnt werden, die nach Christoph Waltz die positive Überraschung der Schauspielerriege darstellt. In Szenen wie der eben erwähnten und am furiosen Auftritt von Waltz sieht man, was bei „Inglourious Basterds“ möglich gewesen wäre. So ist man am Ende etwas enttäuscht, dass es „nur“ ein guter Film geworden ist.